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«Ich schreibe lebendig»
Schriftsteller Markus Staub im Gespräch über seinen neuen Roman
Markus Staub kennt man als Präsident des Bernervereins in Bischofszell. Aber auch als Schriftsteller ist er nicht unbekannt. Jetzt ist sein erster Roman erschienen.
Den Namen Markus Staub brachte man bis anhin mit Kriminal- und Kurzgeschichten in Verbindung. Nun hat er sich an etwas längeres oder wie er es ausdrückt umfassenderes Projekt gewagt. In «Lempenwil: Gschnäder us em Dorf» handelt es sich um eine Dorfgeschichte (in Berner Dialekt geschrieben) aus Lempenwil-Gloschenwil, am Fluss der Sitter gelegen, mit Geschwätz am Wirtshaustisch, Liebe und Hass, Vetternwirtschaft und Korruption. Ganz ohne Tod und Verderben kommt auch dieser
Roman nicht aus.
Herr Staub, bis anhin kannte man Sie für Kurzgeschichten. Jetzt
haben Sie erstmals ein Roman veröffentlicht. Woher rührt dieser Wandel?
Ich habe einfach das Gefühl gehabt, dass es an der Zeit ist, sich einer längeren Geschichte anzunehmen. Für «Lempenwil» wäre die Kurzgeschichte ein falsches Gefäss gewesen. Die Geschichte ist so tiefgründig und vielschichtig und erfüllt die Erwartungen an einen Roman.
«Lempenwil» könnte in fast jedem Dorf im Oberthurgau spielen...
Das stimmt so. Was auch einer der Gründe war, eine lebendige Geschichte auf 191 Seiten zu erzählen. Ich bin auch überzeugt, dass sich ein Grossteil der Bürgerinnen und Bürger sich auf die eine oder andere Art in der Geschichte finden können. Sie ist vielschichtig aber so, dass man sich nicht in den Details verliert. «Lempenwil» ist bewusst nicht auf ein bestimmtes Dorf zugeschnitten.
Sie lassen dem Leser also genügend Raum, um zu interpretieren?
Die Fiktion ist die eine Sache. Würde man sich die Dörfer in der
Region Oberthurgau genauer
anschaen, würde man hie und da schon gewisse Parallelen entdecken.
Seien es Kurzgeschichten oder eben Ihr aktueller Roman, das Geschehen spielt immer in der idyllische Region zwischen Bodensee und Sitter. Liegt Ihre Inspiration in diesem Fall direkt vor der Haustür?
Die Inspiration lag für «Lempenwil» wirklich direkt vor der Haustür. Ich trage Bilder aus dem Alltagsleben in lebendige Geschichten, die zum Nachdenken und zum Schmunzeln animieren.
Sie schreiben von Geschwätz am Wirtshaustisch. Sind Sie für den Roman monatelang an die Stammtische gesessen?
Es ist im Allgemeinen sehr wichtig, dass man zuhört und wahrnimmt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren habe ich mir Geschichten angehört und Ideen gesammelt.
Der Tod ist in Ihren Geschichten ein ständiger Begleiter. So ganz ohne ein Hauch eines Krimis geht es dann doch nicht?
Ich muss das relativieren. Das Buch hat im engeren Sinn nichts mit einem Kriminalroman zu tun. Natürlich gibt es einen Toten und es wird über die Hintergründe recherchiert. Wenn man den Geschichten am Wirtshaustisch lauscht, trifft man immer wieder auf die eine oder andere Weise auf einen Toten.
Aus welchem Grund haben sie «Lempenwil» im Berner Dialekt geschrieben?
In der Vergangenheit war ich sehr oft an öffentlichen Lesungen. Die Zuhörer lieben den Berner Dialekt. Es ist Vielen näher als das Hochdeutsch.
Kann man das Buch auch als Ostschweizer ohne Lexikon lesen?
Darin sehe ich keine Schwierigkeit. Ein Tipp an die zukünftige Leserschaft: die ersten drei Seiten einfach laut vorlesen, dann findet man sich schnell zurecht. Auch habe ich auf spezielle Ausdrücke verzichtet und konnte somit auf Worterklärungen verzichten.
Da drängt sich die Frage nach einem Hörbuch geradezu auf...
Ja, diese Überlegung haben wir uns auch gemacht. Das Hörbuch wird ab dem 23. November erhältlich sein.
Interview: Daniel Kradolfer
Markus Staub will mit seinen Geschichten zum Nachdenken anregen.
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Oberthurgauer Nachrichten

Bischofszell, Montag, 5.11.2007
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© Thurgauer Zeitung
Lempenwil im Oberthurgau
«Lämpe» gibt es mehr als manchen lieb im Roman «Lempenwil» von Markus Staub. Das fiktive Dorf liegt an der Sitter. An der Buchvernissage las der Autor aus seinem eben erschienenen neuen Werk.
Bischofszell – «Schuderhaft schöön», drückte Markus Staub in seinem Berndeutsch seine Freude über die unerwartet vielen Besucherinnen und Besucher aus. Gegen 40 waren zur Buchvernissage seines neuen Romans «Lempenwil – Gschnäder us em Dorf» in die Buchhandlung zum Turm gekommen. Gerechnet hatten weder der Autor noch Buchhändlerin Charlotte Kehl mit so viel Publikum.
In Berner Dialekt
Als Präsident des Berner- und Trachtenvereins Bischofszell und Umgebung, als Schauspieler oder Regisseur an den Unterhaltungsabenden des Vereins ist der 47-jährige Berner, der seit zwölf Jahren in der Ostschweiz lebt, im Oberthurgau zwar kein Unbekannter. Neugier weckte natürlich auch die Tatsache, dass es bei Staubs erstem Roman um eine «packende Dorfgeschichte aus Lempenwil-Gloschenwil, am Fluss Sitter gelegen» handelt. In manchen Kreisen hat sich zudem Markus Staub als Autor von Gedichtbänden, Kurzgeschichten und einem Krimi einen Namen gemacht, die er wie sein neues Buch im eigenen Verlag herausgegeben hat. In einer einführenden Laudatio hob Stadträtin Francis Bischof einige Eckpunkte aus Markus Staubs Leben hervor.
Aufgewachsen ist der Autor in Pieterlen. In der 7. Klasse entstand sein erstes Gedicht, das die Laudatorin dem Publikum gleich vorlas. Eine Hausaufgabe der Aushilfslehrerin sei es gewesen, ein Gedicht über die Liebe zu schreiben. Vor 20 Jahren zog es den gelernten Bäcker-Konditormeister und Koch in die Ferne, in die Sahara, nach Westafrika, Asien, Indien, die Karibik, die USA, Russland.
1995 kam der Berner in den Thurgau – Hefenhofen, Amriswil, Egnach waren Stationen. Seit zwei Jahren lebt Staub in Haslen im Kanton Appenzell. Amüsiert verfolgte das Publikum, wie Frances Bischof, Charlotte Kehl und ein Vernissage-Besucher dem Rat des Autors folgten, die ersten drei Seiten des in Berndeutsch geschriebenen Romans laut zu lesen, um sich als Ostschweizer an den Mundart-Text zu gewöhnen. «Gedichte schreibe ich in Hochdeutsch, doch für die Lempenwiler Dorfgeschichte habe ich im Dialekt das passende Ausdrucksmittel gefunden», erklärte Staub.
Erste Laudatio
«Ich bin schon etwas nervös, eine Laudatio ist mir noch nie passiert», meinte Markus Staub, bevor er den gespannt wartenden Vernissage-Gästen selber einige Seiten aus seinem Roman vorlas. Vielsagend blickte er immer wieder ins Publikum und liess mit seinem lebendigen Vortrag einige Figuren aus der Dorfgeschichte von Lempenwil-Gloschenwil erstehen. Manches liess die Zuhörer schmunzeln. Vor ungefähr zwei Jahren habe er angefangen, die ersten Gedanken für das Buch zu ordnen, erzählte Staub. Er habe immer Freude, hintergründige Namen auszudenken, wie eben Lempenwil. «Die Geschichte kann eigentlich in jedem Oberthurgauer Ort spielen und jeder Lesende wird sein Dorf finden», betonte er.
CLAUDIA GERRITS
Zum Buch
Markus Staub, Lempenwil, 191 Seiten, Verlag Gedanken-Schmiede. Fr. 29.–, ISBN.
© Thurgauer Zeitung

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Markus Staub
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